Logopädie bei Sprachentwicklungsstörungen

 

Was ist eine Sprachentwicklungsstörung?

 

Bei ca. 7 % aller Kinder treten Auffälligkeiten im Spracherwerb auf, ohne dass eine offensichtliche Ursache dafür erkennbar wäre. Zudem können bei Kindern Verzögerungen in der Sprachentwicklung auftreten, wenn z.B. das Hören längerfristig oder auch vorübergehend (z.B. durch häufige Erkältungen) beeinträchtigt ist oder eine allgemeine Entwicklungsverzögerung vorliegt.

 

 

Verlauf der Sprachentwicklung

 

Die Entwicklung der Sprache verläuft nicht bei allen Kindern gleich schnell. Sie verläuft jedoch in ähnlichen Mustern. Es gibt Studien, die zeigen, in welchem Alter ein Großteil aller Kinder ein bestimmtes sprachliches Merkmal (z.B. einen Laut, bestimmte Menge an Wörtern oder Grammatik) erworben hat. Diese Anhaltspunkte werden auch bei den verschiedenen Kindervorsorgeuntersuchungen abgefragt und ggf. überprüft. Die wichtigsten Entwicklungsschritte sind Folgende:

 

24 Monate: Zum zweiten Geburtstag sollte ein Kind einen Wortschatz von mindestens 50 Wörtern haben, die es aktiv verwendet. Dabei ist nicht wichtig, dass das Kind ein Wort richtig ausspricht, sondern dass es ein Wort zum einen kommunikativ verwendet, d.h. es sagt zum Beispiel 'esse', wenn es Hunger hat. Zum anderen sollte jeweils ein Wort immer einem bestimmten Gegenstand oder einer bestimmten Handlung zugeordnet sein; z.B. 'gaga' heißt immer Ente, 'dade' immer Katze. Der passive Wortschatz ist zu diesem Zeitpunkt schon deutlich größer. Ein Kind versteht nicht nur eine Vielzahl an Wörtern, sondern auch schon kurze Sätze. Das Kind zeigt zudem deutlichen Blickkontakt in Interaktionen und verwendet einige Gesten.

 

36 Monate: Kurz vor dem dritten Geburtstag beginnt die zweite 'Warum'-Phase. Das Kind spricht fast alle Wörter verständlich aus, auch wenn noch Verkürzungen von Wörtern stattfinden und vereinzelte Laute noch nicht gebildet werden können. Es bildet einfache Sätze korrekt (z.B. 'Papa fährt Auto' und versteht zweifache Anweisungen wie z.B. 'Hol mal deinen Rucksack und zieh die Schuhe an.', ohne dass diese durch Blickrichtung und Zeigegeste unterstützt werden.

 

48 Monate: In diesem Alter bildet ein Kind Sätze und Fragen meist richtig. Es spricht alle Laute außer 'sch' und die Lautkombination 'tr' korrekt und kann einfache Erzählhandlungen wiedergeben und auch verstehen. Es hat einen umfassenden Alltagswortschatz und kann die meisten Dinge in seiner Umgebung benennen, ohne sie mit Hilfswörtern wie 'tun' oder 'Dings' zu umschreiben.

 

60 Monate: Mit etwa fünf Jahren ist der grundlegende Anteil der Sprachentwicklung abgeschlossen. Ein Kind verwendet dann alle Laute an der richtigen Stelle, hat einen aktiven Wortschatz von ca. 4000 Wörtern und versteht auch mehrteilige Anweisungen mit Wörtern wie z.B. 'trotzdem' oder 'bevor' sowie kurze Geschichten sprachlich wie auch inhaltlich.

 

 

 

Was soll ich tun, wenn mein Kind Probleme in der Sprachentwicklung hat?

 

Zuerst sollten Sie Ihren Verdacht mit Ihrem Kinderarzt besprechen, der auch ein sog. Screening durchführen kann, um zu sehen, ob die Sprachentwicklung auffällig ist. Des Weiteren sollten Sie einen HNO-Arzt konsultieren, der die Hörfähigkeit Ihres Kindes genauer untersucht. Dies sollte regelmäßig stattfinden, da insbesondere, wenn Kinder häufig erkältet sind, das Ohr nicht ausreichend belüftet wird, so dass sich Feuchtigkeit hinter dem Trommelfell bilden kann. Dieses schwingt dann nur noch eingeschränkt, so dass das Kind nicht mehr alle Frequenzen des Sprechens ausreichend hören kann.

 

 

 

Logopädische Diagnostik und Therapie

 

Verordnungen für eine logopädische Diagnostik und Therapie stellen Kinder,- Haus,- und Allgemeinärzte aus. Nur ein Logopäde/Sprachtherapeut kann genauer feststellen, ob nur eine leichte Verzögerung der Sprachentwicklung oder ein auffälliger Spracherwerb vorliegt, welche sprachlichen Bereiche davon betroffen sind und ob bzw. wann eine sprachtherapeutische Unterstützung notwendig ist. Grundsätzlich gilt, eine sprachliche Fähigkeit kann erst erworben werden, wenn dieser konkrete Entwicklungsschritt 'an der Reihe' ist. Sind der Wortschatz, die Grammatik, das Sprachverständnis und/oder mehrere Laute betroffen, sollte die Therapie spätestens zum vierten Geburtstag begonnen werden. Leichte Artikulationsstörungen ('sch', 'tr' oder ein 'gelispeltes s') werden in der Regel spätestens im Vorschuljahr behandelt.

 

In der Sprachtherapie werden durch spielerische Übungen fehlende Laute erlernt und deren Verwendung trainiert. Bei einem geringen Wortschatz erwirbt das Kind Strategien, um Wörter leichter zu speichern und wieder abzurufen. Im Freispiel und in vorstrukturierten Übungen werden Satzmuster erarbeitet, Sprachverständnis und Interaktion werden gefördert.

 

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