Frühe Sprachtherapie bei Kindern mit spätem Sprechbeginn?

 

Sogenannte ‚Late-Talker‘ - also Kinder, die erst spät zu sprechen beginnen – finden in der Therapie von Sprachentwicklungsstörungen oft zu wenig Beachtung. Leider wird häufig sehr spät erst wird mit einer Therapie begonnen, in der Hoffnung die Sprache 'kommt schon noch'. Bei sogenannten Late Talkern handelt es sich um sonst unauffällig entwickelte Kinder, die mit zwei Jahren noch keine 50 Wörter aktiv sprechen. Doch ist diese Sprachentwicklungsverzögerung andauernd oder kann das Kind seinen Entwicklungsrückstand wieder aufholen?

 

 

 

Aktuelle Studien zeigen, zum einen, dass schon mit zwei Jahren zwischen Kindern unterschieden werden kann, die Ihren Rückstand in der Sprachentwicklung wieder aufholen, und Kindern, die eine länger anhaltende Sprachentwicklungsstörung aufweisen. Zum anderen konnte nachgewiesen werden, dass bei Zweiteren eine frühe ‚Anschubtherapie‘ mit wenigen Einheiten langfristige Effekte zeigt und eine später notwendige Sprachtherapie im Vorschulalter deutlich verkürzen oder auch nicht mehr notwendig machen kann. Es macht also Sinn, bei einem Sprachtherapeuten eine genauere Diagnostik durchführen zu lassen, um festzustellen, ob der Sprechbeginn tatsächlich einfach nur verzögert ist, aber keine gravierenden Sprachprobleme nach sich zieht, oder ob die Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Kind eine spezifische Sprachentwicklungsstörung hat, bei der eine frühe logopädische Behandlung empfehlenswert ist.

 

 

 

Es ist inzwischen bekannt, dass es eindeutige Prädiktoren gibt, die darauf hinweisen, wie die Sprachentwicklung weiter verlaufen wird. Zu diesen gehört als am besten erfassbarer Faktor insbesondere ein unterdurchschnittliches Sprachverständnis für Wörter.

 

Ob ein Kind einen verspäteten aktiven Sprechbeginn hat, lässt sich bei der U7 durch verschiedene Arten von Elternfragebögen beim Kinderarzt erheben. Dazu gehört neben dem ELFRA-2 Bogen (Grimm & Doil 2000) auch der ELAN (Bockmann & Kiesehimmel 2006). Beim SBE-2-K (Suchodoletz & Sachse 2008) handelt es sich um einen Kurztest, der online und in mehreren Sprachen erhältlich ist und ebenfalls vom Kinderarzt durchgeführt und ausgewertet werden kann.

 

 

 

 

Weist ein Kind bei der U7 einen auffälligen aktiven (= Wörter, die es spricht, die aber noch nicht richtig artikuliert sein müssen) Wortschatz auf, kann es sich entweder um einen sogenannten ‚Late Bloomer‘ handeln, der im Wortverständnis unauffällig ist und seinen Rückstand bis zum 36. Lebensmonat wieder aufholt (33% der spätbeginnenden Sprecher). Bei unauffälligem Sprachverständnis ist das weitere Beobachten der Entwicklung absolut ausreichend.

 

 

 

Oder aber es handelt sich um ein Kind, das im Wortverständnis ebenfalls auffällig ist. Dies kann nur die einmalige Diagnostik anhand eines standardisierten Tests (z.B. SETK-2) in einer logopädischen Praxis zeigen. In diesem Fall ist eine sogenannte ‚Anschubtherapie‘ empfehlenswert. Schwerpunkte sind dabei primär die Elternberatung sowie ein kommunikativer Wortschatzaufbau. Die Therapie dient dazu, dem Kind in der Startphase des Spracherwerbs zu helfen, damit es Wörter und sprachliche Formen leichter erwerben, speichern und verwenden kann. Diese Anschubtherapie umfasst in der Regel nicht mehr als 10-20 Therapiesitzungen. Ziel ist es, dass das Kind im Vorschulalter idealerweise keine oder eine kürzere weitere logopädische Behandlung benötigt. Studien konnten zeigen, dass eine solche im Verhältnis kurze Frühintervention sehr effektiv ist und den Schweregrad einer Sprachentwicklungsstörung signifikant vermindern kann (u.a. Schlesiger 2009, Sachse 2009).

 

 

 

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