Hausaufgaben in den Ferien

Wenn die Sommersonne Kinder, Eltern und Therapeuten nach draußen lockt, die Tage nicht enden wollen, die Schwimmbäder aus allen Nähten platzen und die Kinder täglich einen sehnsüchtigen Blick in den Kalender werfen, dann ist es nicht mehr weit bis zu den Sommerferien. Wenn die sprachtherapeutische Behandlung nicht in einer Einrichtung stattfindet, die ohnehin über die Schulferien geschlossen ist, findet die Sprachtherapie meist auch in den Ferien wöchentlich statt. Doch wenn Familien einige Wochen in den Urlaub fahren und dann der Therapeut ebenfalls in den Urlaub fährt, kommt es trotzdem zu einer mehrwöchigen Behandlungsunterbrechnung. Oft stellen die Eltern von Kindern mit verschiedenen Problemen in der Sprachentwicklung die Frage: "Was können wir denn zu Hause über die Ferien üben, damit er/sie nicht wieder alles vergisst?"

Manche Eltern machen sich nur Sorgen, dass die Kinder bereits Erworbenes wieder "vergessen" könnten. Andere fordern regelrecht eine Art "Hausaufgabenordner" ein, der Übungen zum Störungsbild des Kindes enthalten soll.

Ich halte ein solches zusätzliches Üben in den Ferien in der Regel für sinnlos bzw zumindest nicht notwendig, vielleicht sogar kontraproduktiv. Auch die sogenannte Intervalltherapie zeigt, dass Therapiepausen durchaus sinnvoll und produktiv sein können. Das Gehirn hat Zeit, Gelerntes weiter zu verarbeiten und in den Alltag zu integrieren. Normalerweise sind die Sommerferien eine besondere Zeit für Vorschul- und Schulkinder, in der sie viel neues Erleben, Zeit draußen verbringen, in den Urlaub fahren und Freunde treffen können. Dies schafft Anreize für neue Erfahrungen, die zum einen viel wichtiger sind als sprachliche Übungen am Tisch, und zum anderen die Entwicklung vorantreiben, so dass es durchaus auch Fortschritte im sprachlichen Bereich geben kann. Diese sind oftmals nicht unerheblich.

Bis auf wenige Ausnahmefälle also lautet meine Hausaufgabe: Keine Hausaufgaben und sprachtherapeutische Übungen machen! Spaß haben! Entspannen!

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