Late Talker - Kinder, die erst spät zu sprechen beginnen

Sogenannte ‚Late-Talker‘ - also Kinder, die erst spät zu sprechen beginnen – finden in der Therapie von Sprachentwicklungsstörungen oft zu wenig Beachtung. Erst sehr spät wird mit der Therapie begonnen. Bei ‚Late Talkern‘ handelt es sich um sonst unauffällig entwickelte Kinder, die mit 24 Monaten noch keine 50 Wörter aktiv sprechen. Doch ist diese Sprachentwicklungsverzögerung andauernd oder kann das Kind seinen Entwicklungsrückstand wieder aufholen?

 

 

 

Studien zeigen, zum einen, dass schon mit zwei Jahren zwischen Kindern unterschieden werden kann, die Ihren Rückstand in der Sprachentwicklung wieder aufholen, und Kindern, die eine länger anhaltende Sprachentwicklungsstörung aufweisen. Zum andere konnte nachgewiesen werden, dass bei Zweiteren eine frühe ‚Anschubtherapie‘ mit wenigen Einheiten langfristige Effekte zeigt und eine später notwendige Sprachtherapie im Vorschulalter deutlich verkürzen oder auch nicht mehr notwendig machen kann.

 

 

 

Es ist inzwischen bekannt, dass es eindeutige Prädiktoren gibt, die darauf hinweisen, wie die Entwicklung weiter verlaufen wird. Zu diesen gehört als am besten erfassbarer Faktor insbesondere ein unterdurchschnittliches Sprachverständnis für Wörter.

 

Ob ein Kind einen verspäteten Sprechbeginn hat, lässt sich bei der U7 durch verschiedene Arten von Elternfragebögen erheben. Dazu gehört neben dem ELFRA-2 Bogen (Grimm & Doil 2000) auch der ELAN (Bockmann & Kiesehimmel 2006), die Ihnen bereits bekannt sind. Beim SBE-2-K (Suchodoletz & Sachse 2008) handelt es sich um einen Kurztest der online und in mehreren Sprachen erhältlich ist.

 

 

 

 

Weist ein Kind bei der U7 einen auffälligen aktiven Wortschatz auf, kann es sich entweder um einen sogenannten ‚Late Bloomer‘ handeln, der im Wortverständnis unauffällig ist und seinen Rückstand bis zum 36. LM wieder aufholt (33% der spätbeginnenden Sprecher). Bei unauffälligem Sprachverständnis ist das weitere Beobachten der Entwicklung ausreichend.

 

 

 

Oder aber es handelt sich um ein Kind, das im Wortverständnis ebenfalls auffällig ist. Dies kann nur die einmalige Diagnostik anhand eines standardisierten Tests (z.B. SETK-2) in einer logopädischen Praxis zeigen.

In diesem Falle ist eine sogenannte ‚Anschubtherapie‘ empfehlenswert. Schwerpunkte werden hier die Elternberatung sowie ein kommunikativer Wortschatzaufbau sein. Die Therapie dient dazu, dem Kind in der Startphase des Spracherwerbs zu helfen, damit es Wörter und sprachliche Formen leichter erwerben, speichern und verwenden kann. Diese Anschubtherapie umfasst in der Regel nicht mehr als 10-20 Einheiten. Ziel ist es, dass das Kind später idealerweise keine oder nur noch eine kurze weitere logopädische Behandlung benötigt. Studien konnten zeigen, dass eine solche im Verhältnis kurze Frühintervention sehr effektiv ist und den Schweregrad einer Sprachentwicklungsstörung signifikant vermindern kann (u.a. Schlesiger 2009, Sachse 2009).

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